Hauptbühne

BIRD BERLIN (Moderation)

Heißhungrig stehen wir kurz nach Beginn der Pyjamaparty vor dem Kühlschrank und es läuft uns schier das klebrig, knutschende Wasser im Mund zusammen. Nahezu unerreichbar neben den auftauenden Mangostückchen glänzt etwas pralles, rundes, leckeres an den Pfirsichwangen hervor. Mitten zwischen den Früchten des Funks schlemmt sich Bird Berlin durch den reich bestückten GlitzerPopObstkorb und kommt aus dem grinsen nicht heraus. Saftig, waghalsige Beats begleiten diese tanzende Schlämmerfreude und als das Glockenstimmchen ertönt tropft uns der KaribikKiwiSmoothie elegant über das Kinn. Satt, glücklich und erfrischt über beide Grübchen drehen wir wieder an der Twisterscheibe und erwischen: linker Fuss auf Rot Beide Ohren auf Steil. Bird Berlin ist eine OneManGlitzerShow. Zu den Beats seines iPods singt und tanzt diese optische Täuschung soft bekleidet und leichtfüßig wie eine Elfe. Lasst euch die Lichtbrechungen an seinem glänzenden Körper nicht entgehen und tanzt den Birdi mit ihm: Brü Brü Brü!!!

Homepage: www.facebook.com/birdberlin

Video: www.youtube.com/watch?v=51K2Y4SttLo

 

 

Freitag, 11.08.2017, ab 18.00 Uhr

 SCHUBSENSchubsen_Foto_by Andreas Hornoff

Die Story könnte hier schon zu Ende erzählt sein, ohne dass ich mich erinnern kann, wie sie wirklich begann. Vielleicht hat sie da drüben begonnen, in dem Laden, in dem uns früher die vielen Aufkleber auf dem Klo die Welt erklärt haben. Heute sind die Aufkleber weg und die Welt müssen wir uns selbst erklären. Das tun wir natürlich weiterhin am Tresen, der jetzt aber immer blank geputzt ist. Kleine Drinks zu großen Preisen. Auch die Graffitiszene sprüht inzwischen ganz legal, sie tobt sich irgendwo dort hinter den Gleisen aus, wo sie gerade ein Neubauviertel hochziehen. Erst die Graffitis, dann die Künstler, dann die Szenekneipen und dann die Leute von immowelt.de. Gentrifidingsbums? Ach komm schon, lass’ doch bitte stecken. Illusionen hin, Explosionen weg. Im Neubaugebiet wohnen dann die, die eigentlich auch gerne Teil der Graffitiszene wären. Oder wenigstens Skateboardfahren können. Vielleicht gründen ihre Kinder ja irgendwann eine neue Gang und lassen Wassermänner mit ihren Quallen lachen, aber bis dahin muss ein bisschen am Bier nippen reichen, für steife Rücken und perfekt geschminkte Leichen. Vielleicht haben wir uns am Tresen kennengelernt, vielleicht aber auch im Konzertsaal. Du auf der Bühne, er am T-Shirt-Stand, wir beide irgendwo dazwischen. Models, Meyers, Maskeraden. Heute stehen wir zu viert zusammen da oben. Schlagzeug, Gitarre, Bass, Gesang – und ein Ziel: Einfluss auf das Träumen nehmen. Die wollen nur spielen, sagt einer im Publikum und es klingt wie ein Vorwurf. Mag sein, doch das Chaos war besonders; vom Gefühl her gleich, vom Ergebnis anders. Welchen Stempel die Entscheider da nun drunter setzen, ist uns völlig einerlei, wir freuen uns auf glorreiche Zeiten und neue Blessuren. Am Ende ist es einfach Rockmusik von vier Menschen, die sich von den Aufklebern die Welt erklären haben lassen und ihre ganz eigenen Schlüsse gezogen haben. Die Story könnte hier auch starten, genau von Anfang an.

Homepage: www.schubsmusik.tumblr.com

Video: www.youtube.com/watch?v=MTrwjaaCPEk

 

KLEISTER

Kleister sind Face (Johannes Fäßler) und sein Boy Luke (Lukas Derungs), die sich aus dem Sumpf des deutschen HipHop ausgraben. Die herrlichen Beats schwanken zwischen meisterlichem Jazzpiano und derbem Synthi-Trash, mit live geloopter Beatbox und werden vom Face mit Reimen garniert. Dabei rappt der Hallodripoet in großen Schritten um den ganzen Käse herum, den man sonst so hört: Kein Pseudogangstarap mit sexistischem Mist und keine flachen Floskeln, die einem weismachen wollen, alles sei easy… Aber genug des Dissens, davon ist Kleister nämlich auch weit entfernt. Die stark metaphorischen, kraftvollen Texte lassen an die Tradition deutscher Dichter und Schriftsteller denken, wobei der rotzfreche Vortrag mit heiserer Stimme die teilweise kafkaesken Metaphern smooth wie ein Babypo klingen lässt und einen durch die süße, an Böll erinnernde Traurigkeit leitet, als wäre es der erste Frühlingstag.

Homepage: www.kleisterrap.de

Video: www.youtube.com/watch?v=xeGu81ncoOU

 

MY BABY (NL)

My Baby aus Amsterdam sind ein echtes Phänomen. Das Trio verbindet knarzigen Blues mit modernen Beats zu einer wirklich zwingenden Mischung, die absolut jeden mitreißt. Ihre Liveshows, die mit Licht- und Visualeffekten als echte Happenings angelegt sind, zaubern dem Publikum nach anfänglich ungläubigen Staunen im Nu ein breites Grinsen ins Gesicht und holen auch den letzten Zuschauer ab. Der Grundansatz von My Baby, die menschlichen Urinstinkte möglichst direkt anzutriggern, funktioniert im Zeitalter der Hochtechnologie besonders gut, weil die Menschen sich offenbar danach sehnen, sich für eine gewisse Zeit komplett losgelöst von allem einfach nur fallen zu lassen und den Alltag auszublenden – und das gelingt My Baby wie kaum einer Band dieser Tage. Publikum und Band werden hier zu einer Einheit, die gemeinsam das Dach der Venue abheben lässt. Ihr letztes Album „Shamanaid“ verschaffte der Band den internationalen Durchbruch. My Baby waren Support der Blues Legende Seasick Steve und haben neben ausgedehnten Tourneen bereits auf den größten europäischen Festivals gespielt. Die Mutter aller Festivals, das renommierte Glastonbury Festival, konnte sogar überhaupt nicht genug von MY BABY bekommen – sieben Mal hat die Band in 2016 dort gespielt! Das neue Album Prehistoric Rhythm, das My Baby mit dem englischen Produzenten Sam Wheat aufgenommen haben, wird den Triumphzug der Band sicher fortsetzen!

Homepage: www.mybabywashere.com

Video: www.youtube.com/watch?v=YShSiCSjv94

 

STRÖME

Ströme, das ist der einzigartige Electroliveact der zwei Musiker Mario Schönhofer und Tobias Weber. Mit ihren Modularsynthesizern machen sie brachiale Beats, warme Melodien und ungehörte Klänge, die zu einem einzigartigen Sound verschmelzen der die Clubs und Festivals zum kochen bringt. Die zwei Musiker studierten Bass und Drums und waren die letzten Jahre mit vielen Livebands unterwegs (die letzten Jahre spielten sie beide bei Labrassbanda). Seit Ende 2015 haben sie sich voll und ganz dem Elektro verschrieben und traten mit Ströme unter anderem in vielen Clubs (u.a. Distillery, Grelle Forelle, Harry Klein) und Festivals (u.a. Echelon, Ikarus) auf.

Homepage: facebook.com/StroemeOfficial/

Video: www.youtube.com/watch?v=IBG7mrtqGnY

 

 

 

Samstag, 12.08.2017, ab 15.00 Uhr:

HANNAH GROSCH

Hannah Grosch ist keine Person, es sind mehrere und doch ist es diese eine, die den Folk in eine andere Richtung bringt. Es sind Songs, die an einen Zerfall erinnern, ohne in völlige Düsternis abzurutschen. Eine Ödnis, die sich der Schönheit der sonnigen Tage erinnert. Hannah Grosch ist eine Band, die sich als wahrer Transformer entpuppt. Inmitten der warmen Töne von Kontrabass und Klavier, gepaart mit den treibenden Geräuschen der rhythmischen Soundmaschine schwebt Hannahs Stimme, die in ihrer unverkennbaren Eindringlichkeit und emotionaler Tiefe von Träumen und Unterwasserungeheuern erzählt, als ob alles davon abhängen würde. Vielleicht ist das auch so. Ein Stil entsteht, welcher nur schwer einzufangen ist, sich aber irgendwo zwischen düsterem Folk, Sphärenlärm und immer wieder zarter Elektronik bewegt.

Homepage: www.facebook.com/Hannahundeinfisch/

Video: vimeo.com/184353396

 

HOLLER MY DEAR

Wenn Freunde zum Essen einladen, dann kommt man nicht mit leeren Händen. Wenn Holler my Dear zum Essen, Trinken und Fröhlichsein rufen, kommt man lieber nicht mit vollem Magen! Die Berliner schmeißen mit ihrem neuen Album ein Fest, auf dem getanzt werden darf: “Eat, drink and be merry” tönt die vielseitige Bande aus der Folk-Küche und tischt sowohl herzhaft-vertraute, als auch bittersüße und deftig-scharfe Klänge auf. Holler My Dear kredenzt Akustik-Pop als wärmendes Antidepressivum und verteilt großzügig Swing und Funk als würzende Tinktur in feinen Kristallgläsern. Das entfacht Hitze und erzeugt Prickeln. Man holt sich gerne Nachschlag.

Homepage: http://hollermydear.com

Video: www.youtube.com/watch?v=2uecMh–jS4

 

TORPUS & THE ART DIRECTORS

Die Nordsee kann man riechen. Der Blick aus dem Fenster wandert über weite Felder. Hier inmitten der Abgeschiedenheit, unweit der Dänischen Grenze, findet sich das Klassenzimmer einer ehemaligen Grundschule. Es ist der Aufnahmeraum eines alten Freundes von Torpus & The Art Directors, ein Refugium, das sie früher schon genutzt hatten. Nur hat dieser Ort eine besondere Atmosphäre bekommen, seit der Freund verstorben ist und der Klassenraum mit den musealen Instrumenten zu seinem Vermächtnis geworden ist. Nils Koppruch & Gisbert zu Knyphausen haben diese Lokalität genutzt, ebenso Kevin „Clickclickdecker“ Hamann. Musiker scheinen diese Schule zu mögen. In drei Wochen haben Frau Apelmo und die vier Jungs aus North Frisia, nach langer Vorbereitungszeit und einer kleinen Schweden-Tour, dann das neue Album „The Dawn Chorus“ eingezimmert. Das die Produktion Zeit und Luft zu Atmen hatte, hört man dem Album an. Es strahlt Ruhe aus und besteht aus entspannt aufwühlenden Songs. „The Dawn Chorus“ ist das, was sie gefunden haben – eine kompakte Geschichte, die rund ist und zusammenpasst. Unverzichtbar wird natürlich die Live-Präsentation des neuen Albums. Das sollte man auf keinen Fall verpassen, denn on Stage kommt der Northern-Country-Folk noch eine Spur freier und losgelöster rüber. Denn es ist nicht wegzudiskutieren, dass diese Band auf Konzertbühnen stehen muss. Weil sie dort ihre befreiende Furchtlosigkeit in ihrer mitreissenden Art heraussingen (um nicht „-brüllen“ zu sagen) kann. Freuen wir uns jetzt schon auf die Begeisterung, die diese Combo live von der Bühne herunter ballert. Überbrücken wir die Zeit bis dahin mit dem Genießen der Songs von The Dawn Chorus. Auswendiglernen wäre die andere Möglichkeit.

Homepage: www.torpus.d

Video: www.youtube.com/watch?v=oqLsCbmaHb8

 

LEONIDEN

Leoniden spielen gekonnt filigranes Indierock-Getänzel, schaffen einen sehnsüchtigen Hybriden aus Ausbruch und schwelgerischen Umdrehungen. Ihre Songs sind Blockbuster, eignen sich perfekt für den Soundtrack eines Godzilla-Films Ende der 90er. Nur dass ihr Monster mehr durch die urbanen Clubs wütet als sich durch Häuserschluchten zu fressen. Leoniden, das ist vor allem Musik, die Spaß macht, unbeschwert ist, kein Morgen kennt, sich in der Nacht genügt. Oder sagen wir: eine Einladung, für ein paar Songs alles andere zu vergessen und sich in diesem kollektiven Dancefloor-Wir zu verlieren. Das selbstbetitelte Debütalbum der Band erschien über das bandeigene Plattenlabel „Two Peace Signs“.

Homepage: www.leonidenmusik.de

Video: www.youtube.com/watch?v=t3wZnIvtTXw

 

FATONI

FATONI hat sich mit dem im November 2015 erschienenen Fatoni & Dexter Album „Yo, Picasso“ (Platz#23 deutsche Albumcharts/ Platz #2 deutsche HipHopcharts) – an die Spitze der hiesigen Raplandschaft katapultiert und avanciert zum absoluten Kritikerliebling. „Yo, Picasso“ ist das beste deutschsprachige Rapalbum des Jahres“ (PULS/BR, Testspiel.de, Schallhafen) und wird mit Auszeichnungen und überschw.nglich lobenden Reviews überschüttet (Album der Woche u.a. Laut.de, Radio N-JOY, Mephisto 97.6 (Leipzig) Radio Hertz (Bielefeld), Radio X (Basel) – Album des Monats: Splash Mag) und gilt schon jetzt als Klassiker und „Meisterwerk“ (SPEX). Aus „einem der verheißungsvollsten Talenten der deutschen Musiklandschaft“ (Vice Musikmagazin Noisey) ist einer der interessantesten deutschen Künstler und Kritikerliebling geworden – Fatoni ist „vielleicht [der] originellste und interessanteste zeitgenössischen MC“ [rap.de]. Mit einem Augenzwinkern setzt sich der junge Münchner mit dem Zeitgeist auseinander – in der musikalische Grenzensetzungen von HipHop. Indie-Rock bis Minimalhouse anscheinend komplett verwischen und künstlerische Wiedererkennung Fremdwort ist. Raptalent gepaart mit seiner Bühnenpräsenz und schlafwandlerischen Selbstsicherheit sind Garanten für außergewöhnliche Liveperformances! Seinen herausragenden Livequalitäten konnte Fatoni nach Touren mit Fettes Brot, Antilopen Gang und Weekend auf seiner ersten nahezu ausverkauften Solo-Tour im April 2016 unter Beweis stellen. „Welch eine Freude, einen Fatoni in Deutschland haben zu dürfen, der gutrappend, augenzwinkernd, schelmisch, lausbubig, reflektierend, interessant und einfach neu ist. Nicht als Newcomer, sondern im Sinne von Form, Stil, Ausdruck.“ (Testspiel.de) „Yo, Picasso steckt so voller kleiner Gemeinheiten, Weisheiten, Querverweise und musikalischer Sorgfaltspflicht, dass es eines der wenigen Alben sein dürfte, die das Potenzial haben, länger gehört zu werden, als ihr Entstehungsprozess gedauert hat. Ein Kleinod.“ (SPEX) „YO, PICASSO“ von Fatoni und Dexter treibt jedem Deutsch-Rap-Fan die Freudentränen in die Augen: so intelligent und knackig hat deutscher HipHop noch nie geklungen.“ (Artistxite) „Auch wenn Fatoni und Dexter kein Duo sind und sich nur für das Projekt zusammengeschlossen haben, steht das »Original-Fatoni-und-Dexter-Material« auf »Yo, Picasso!« für mich in einer Linie mit dem Eins-Zwo-Debüt »Gefährliches Halbwissen«“ (ALL GOOD). „Im Falle von „Yo, Picasso“ kann man guten Gewissens verkünden: Believe the hype! Jede Zeile sitzt, jeder Song unterhält, jeder Beat frisst sich in die Gehörgänge. Wenn einer der besten deutschen Produzenten mit dem vielleicht originellsten und interessantesten zeitgenössischen MC ein Album macht, kann offenbar wirklich nicht viel schief gehen. Oder halt gar nichts. “ (Rap.de)

Homepage: www.fatoni.de

Video: https://www.youtube.com/watch?v=ESximvcRJ9E

 

GET WELL SOON

Das letzte Album von Get Well Soon starrte auf die Apokalypse, durch den Vorhang italienischer Filmsoundtracks der Siebzigerjahre. Und jetzt, nach dem wunderschönen Weltuntergang, spricht der Sänger Konstantin Gropper vom Überleben. Von der Kraft, die Neues schafft. Er singt von der Liebe. It’s here, Album Nummer vier: „Love“ (Caroline Records / Universal). Die Liebe also. Ein großes Wort. Wie „Pop“. Einfach auszusprechen, komplex zu fühlen. Und so klingt das neue Album auch: ungewohnt hell und poppig. Der fast schon fröhliche Tonfall ist neu in Groppers Werk und markiert eine Wende. Aber alles andere als Veränderung hätte noch mehr überrascht. Denn Get Well Soon flirtet schon immer mit echten Maskeraden. Es ist auch die Liebe zur Popgeschichte, die bei Get Well Soon immer innig ist. „Es ist meine Popplatte“, sagt Gropper. „Mein Fokus lag diesmal weit mehr auf dem Songwriting als auf dem Ausarbeiten des Sounds. Schreiben, Produzieren und Arrangieren war für mich bisher immer ein gemeinsamer Arbeitsschritt. Auf „Love“ habe ich das getrennt.“ Schon bevor Gropper Musik für mehrere Spielfilme und Fernsehproduktionen schrieb, empfanden viele Get Well Soon als nah am Kino gebaut. Aufwendig orchestriert, ausladend gespielt. Intensiv. Seine Musik ist noch immer gefühlsbetont, aber die Mittel wirken entspannter. Am Ende werden die Masken doch nicht abgesetzt. Es bleibt dabei, die Rätselhaftigkeit und das Geheimnis der Liebe zu besingen.

Homepage: http://www.youwillgetwellsoon.com

Video: vimeo.com/153262531

 

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